Rückzug:                                                                    TSV Wattenbek wird zum Corona-Opfer

Die „Peitschen“ werden nicht für die 3. Liga 2020/21 melden.   In welcher Klasse es weitergeht, steht in den Sternen.

Der Ball bleibt liegen. Der TSV Wattenbek zieht sich freiwillig aus der 3. Liga der Frauen zurück. Imago Images.

Wattenbek. Arne Schmuck und Jörg Lühn. Es ist eine Nachricht der berühmten Marke „Paukenschlag“: Der TSV Wattenbek verzichtet auf eine erneute Meldung für die 3. Handball-Liga der Frauen. Das teilte der 2. Vorsitzende aus dem Förderverein der „Peitschen“, Eike Rix, jetzt offiziell mit. Damit steigt der Tabellenachte (12:22 Punkte) nach drei Jahren freiwillig ab.

 

Pandemie hinterlässt tiefe Spuren

 

Offiziell heißt es in einem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt: „In den vergangenen Jahren hatten wir die finanziellen Herausforderungen immer gemeistert, auch wenn wir dabei nie große Sprünge gemacht haben. Aber jetzt hinterlässt die Corona-Pandemie tiefe Spuren bei unseren Sponsoren, viele kämpfen selbst ums Überleben. Dazu kommt die Ungewissheit, vielleicht Spiele ohne Zuschauer bestreiten zu müssen und daraus keine Einnahmen zu erhalten. Vor diesem Hintergrund und den geführten Gesprächen kommen wir bedauerlicherweise zu dem Entschluss, dass wir in der nächsten Saison nicht für die 3. Liga melden werden. So schwer uns diese Entscheidung für euch, für die ,Peitschen’ und den Handballsport auch fällt, sehen wir keine Alternative dazu.“

 

Keine Signale vom Deutschen Handball-Bund

 

In welcher Klasse der zum Kreishandballverband Neumünster zählende Verein aus dem Amt Bordesholm den Spielbetrieb fortsetzt, ist offen. „Es weiß niemand, wie es weitergeht. Wir haben vom Deutschen Handball-Bund keine Nachricht über eine mögliche Fortsetzung des Spielbetriebs erhalten, sollen aber zum 15. Mai für die neue Saison melden“, klagte Rix. Neben einer Entscheidung in Bezug auf die aktuelle Saison vermissten die Verantwortlichen beim TSV Wattenbek Antworten, wer bei möglichen Geisterspielen die Kosten für die Schiedsrichter und das Kampfgericht übernehmen würde.

 

Geht es in der SH-Liga weiter?

 

Der Sturz drei Spielklassen hinab ist damit nicht ausgeschlossen. Ein Auffangbecken böte die zweite Mannschaft in der Landesliga Süd, die dort Platz 3 (28:14 Punkte) in der auf Grund der Corona-Pandemie abgebrochenen Spielzeit belegte. „Es ist völlig offen, ob wir für die Oberliga-, Schleswig-Holstein- oder Landesliga melden“, meint Rix.

Eine Überlegung Wattenbeks wäre darüber hinaus, eine Mischung aus beiden Mannschaften zusammenzustellen, die in der Schleswig-Holstein-Liga spielen könnte. „Aber es ist im Moment noch zu früh für irgendwelche hypothetischen Aufstellungen“, sagte Rix. Allerdings wollte der Club den Spielerinnen mit der Nachricht die Möglichkeit der persönlichen Planung geben. Hannah Pauli hatte gegenüber den Verantwortlichen signalisiert, Wattenbek zu verlassen. Die Rückraumspielerin war in 60 der 61 Drittligapartien mit von der Partie und warf 224 Tore. Rix rechnet mit weiteren Abgängen.

 

Beide Trainer wären ohnehin gegangen

 

Klar war zuvor, dass ein neuer Trainer gesucht wird. Die Zusammenarbeit mit Trainer Tim Bracklow, der Andreas Juhra im turbulenten Spätherbst beerbt hatte, und dessen Co-Trainer David Flaig wird nicht fortgesetzt. „Tim hätte uns ohnehin im Sommer verlassen, David hat ein Angebot des THW angenommen“, erklärte Rix. Außerdem kommt hinzu, dass der langjährige Handballobmann Ernst-Werner Jappe in Zukunft kürzertreten möchte. „Wir müssen einfach zu viele Dinge kompensieren“, so Rix abschließend.

 

Bracklow malt düsteres Bild

 

„Aus sportlicher Sicht ist die Entscheidung des Vereins absolut schade, denn die Mannschaft hat auf jeden Fall das Potenzial für die 3. Liga. Auch für die gesamte Region ist das ein Keulenschlag“, sagte (Ex-)Trainer Bracklow, „doch aus wirtschaftlicher Sicht ist die Entscheidung nachvollziehbar. Lieber jetzt die Notbremse ziehen, als dann irgendwann in der kommenden Saison festzustellen, dass die Kassen leer sind.“ Bracklow wird zur neuen Saison die Männer des TSV Ellerau und somit einen Aufsteiger in die Landesliga übernehmen. Er glaubt, dass sich Wattenbeks Spielerinnen in alle Himmelsrichtungen verstreuen werden. Und Bracklow prophezeit: „Es wird nicht der letzte Verein sein, der in den sauren Apfel beißt.“

Quelle: Holsteinischer Courier, 16.04.2020 von Arne Schmuck und Jörg Lühn