Ein Dorf freut sich auf die 3. Liga

Die Handballerinnen des TSV Wattenbek betreten am 17. September Neuland / Einfallsreichtum von Trainer Andreas Juhra wird gefragt sein

Frauenhandball-Drittligist TSV Wattenbek startet 2017/18 mit diesem Aufgebot: Trainer Andreas Juhra, Teamkoordinator Mark Guse, Co-Trainer Andreas Hörseljau, Katja Lietzau, Tanja Potratz, Hannah Pauli, Selina Krolak, Svenja Hollerbuhl, Vivien Zittlau, Lea Pahlisch, Savannah Schulte (hinten von links), Anne Zellmer, Kristin Bahde, Jette Stegmann, Leandra Kühn, Franziska Schenk, Katharina Kaube, Janina Harms, Ronja Schult, Maxie Bech (vorne von links). Es fehlen: Anna Judycka und Sportphysiotherapeut Steffen Donder. Zu erwarten ist, dass die Gummistiefel, mit denen das Team hier seinen dörflichen Charakter hervorhebt, noch gegen Sportschuhe getauscht werden. Auch dürften die Zuschauer am Bordesholmer Langenheisch voraussichtlich nicht auf Strohballen Platz nehmen ...Böge

Wattenbek. Nachdem die Handballerinnen des TSV Wattenbek zuletzt durch die Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein spaziert sind und sich in überragender Manier den Meistertitel gesichert haben, wird zukünftig ein anderer Wind wehen. Denn in gut einer Woche laufen die „Peitschen“ zum ersten Mal in der Staffel Nord der viergleisigen 3. Liga auf. Der Courier wirft heute den Scheinwerfer auf eine Spielklasse, auf die sich ein ganzes Dorf freut.

Eine Premiere ist die 3. Liga auch für Übungsleiter Andreas Juhra. „Ich wollte früher unbedingt Trainer auf regionaler Ebene werden. Später habe ich diese Stufe übersprungen, und nun kann das mit Wattenbek nachholen“, blickt der einstige Zweitligacoach des TSV Travemünde seinem spannenden Job entgegen. Der Aufstieg birgt nicht nur für die Akteure auf dem Feld neue Aufgaben und Herausforderungen. „Auch für mich als Trainer ist das eine Umstellung“, sagt Juhra und erklärt weiter: „Eine dritte Auszeit, eine neue Regel bei verletzten Spielerinnen, die nach Behandlung durch einen Physio in den drei nächsten Angriffen nicht eingesetzt werden dürfen, ein intensiveres Coaching: Man muss allzeit präsent sein und jede gegnerische Entscheidung oder Umstellung abwägen und gegebenenfalls unmittelbar darauf reagieren.“

Rein spielerisch sieht der 41-Jährige seine Mannschaft auf einem guten Niveau. „Aber wir haben das Team noch nicht ganz in das Drittliga-Tempo überführt, und ich habe das Gefühl, dass wir vergangenes Jahr weiter waren als jetzt“, meint Juhra, sinniert kurz und relativiert schmunzelnd: „Vielleicht liegt das aber auch einfach nur an meinem hohen persönlichen Anspruch.“ Fakt ist jedenfalls, dass der Aufsteiger bislang nur selten in den angedachten Startaufstellungen trainieren konnte. „Das sind Kombinationen aus einem Dutzend Spielerinnen, wobei es auf die jeweils gewünschte Ausrichtung ankommt“, erklärt Juhra, dessen Einfallsreichtum gerade auf der Mittelposition gefordert ist. Ohne Svenja Hollerbuhl, die wohl noch bis Anfang 2018 ausfallen wird, muss eine Alternative für Anne Zellmer her. „Mit Kristin Bahde hat sich eine Backup-Akteurin herauskristallisiert. Sie hat ein gutes Spielverständnis“, lobt Juhra den Neuzugang. Weiterhin muss, um die Philosophie des Gegenstoßspiels auch in der 3. Liga leben zu können, die Abwehr stabilisiert werden. „In der Oberliga mussten wir uns nicht am Gegner orientieren, das können wir uns jetzt nicht mehr erlauben“, weiß Juhra und setzt deshalb auf mehr Variabilität: „Zwar wollen wir auch in Zukunft 60 Minuten rennen, aber situationsabhängig vorne auch mal das Tempo herausnehmen und mehr steuern. Denn ab sofort werden wir auch im Rückzug gefordert sein.“ Er sehe sein Team mit den fünf Mannschaften, die in der unteren Tabellenhälfte zu erwarten sind, auf Augenhöhe, verrät Juhra und rechnet vor: „Wir visieren erst mal 16 plus x Punkte für unser Minimalziel Klassenerhalt an. Dazu setzen wir auf unsere Heimstärke. Mit nur vier Heimauftritten wird das zwar eine schwierige Hinrunde, aber dafür haben wir in der Rückserie mit sieben Partien zu Hause plus Hollerbuhl die Chance, eventuell fehlende Punkte zu sammeln.“ Auf eine Meldung für den diesjährigen HVSH-Pokal verzichtete das „gallische Dorf“ unter den besten 78 Frauenhandballteams Deutschlands. „Ich teile nicht die Ansicht, dass diese Belastungsstruktur gerade innerhalb der Saison der richtige Weg ist“, betont Wattenbeks Coach und führt den Kreuzbandriss von Hollerbuhl mitten in der Vorserie als treffenden Beleg dafür an.

 

TSV Wattenbek (Frauen) 3. Liga Nord 2017/18 Zugänge: Kristin Bahde (SV Henstedt-Ulzburg), Selina Krolak (AMTV Hamburg), Anna Judycka (ATSV Stockelsdorf A-Jugend). Abgänge: Zoe Stens (PSV Recklinghausen), Ana-Lena Bustorf, Julia Steinbeck (beide Preetzer TSV), Mirja Schulz, Nina Schulz (beide eigene „Zweite“), Jessica Nell (unbekannt). Kader (18 Spielerinnen) – Katharina Kaube (21 Jahre/Torwart = TW), Lea Pahlisch (18/TW), Franziska Schenk (30/TW), Savannah Schulte (24/Linksaußen = LA), Jette Stegmann (24/LA), Maxie Bech (19/Rückraum links = RL), Janina Harms (23/RL), Svenja Hollerbuhl (29/Rückraum Mitte = RM), Kristin Bahde (19/RM, LA), Anne Zellmer (28/RM), Leandra Kühn (23/Kreis Mitte = KM), Vivien Zittlau (21/KM), Tanja Potratz (30/KM), Hannah Pauli (24/Rückraum rechts = RR), Katja Lietzau (24/Rechtsaußen = RA), Ronja Schult (18/RA), Anna Judycka (19/RA), Selina Krolak (19/RR/LA). Trainer: Andreas Juhra. – Co-Trainer: Andreas Hörseljau. – Sportphysiotherapeut: Steffen Donder. – Teamkoordinator: Mark Guse. – Obmann: Ernst-Werner Jappe. – Platzierung 2016/17: Meister der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein mit 50:2 Punkten (25 Siege/1 Niederlage) und 900:624 Toren. – Saisonziel: Klassenerhalt. – Titelfavoriten: MTV 1860 Altlandsberg, HSG Jörl/Doppeleiche Viöl, TV Oyten, SV Henstedt-Ulzburg. – Saisonstart: HG Owschlag-Kropp-Tetenhusen (H/Sonntag, 17. September,17 Uhr/in Bordesholm). – Courier-Prognose: Wattenbek konnte sich in den vergangenen Jahren bereits häufiger im Pokal mit Drittligisten messen und wusste ein ums andere Mal gerade vor heimischen Rängen zu überraschen. Zudem wurde der Kader weiter verstärkt. Dennoch sind der Ligaalltag und das generelle Niveau nun ein anderes. Je schneller sich die „Peitschen“ daran gewöhnen und aus den ersten unvermeidlichen Niederlagen lernen, desto realistischer ist, dass die 3. Liga nicht nur eine Abenteurreise wird.

Dan-Patrick Böge

 

Quelle: Holsteinischer Courier, 08.09.2017